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„Die Ferse des Achilles“

„Die Ferse des Achilles“

12. April, autArKademie Brückl

„Die Sexualität behinderter und kranker Menschen“ war das Thema eines spannenden Fachdialogs, der am 12. April in der autArKademie in Brückl stattfand.
Gleichzeitig war die Veranstaltung Auftakt des autArK-Labels „besonders & interessant“. Unter dieser Marke werden künftig spannende und gesellschaftsrelevante Themen im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungen angeboten.

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter diverser Sozialbetreuungseinrichtungen, sowie Betroffene und Rechtsvertreterinnen und -vertreter, diskutierten gemeinsam mit Erwin Riess, Behindertenaktivist, Rollstuhlfahrer und Autor, unter der Regie von Thomas Cik, Kleine Zeitung, dieses tabuisierte Thema.
Besonderes Augenmerk wurde im Kontext des Themas auf den Fokus „Selbstbestimmt Leben“ vs. „Schutzbedürftigkeit“ gelegt.
Dazu Mag. Walter Fritz, Bezirksrichter in St. Veit: „Die Grenze des Auslebens von Selbstbestimmung ist immer das Strafgesetz. Im Rahmen dessen kann sich frei bewegt werden. Oberstes Prinzip ist jedoch der Schutz Minderjähriger und wehrloser Menschen. Der Grad der Abwägung sei dabei immer ein sehr schmaler und im Individualfall zu beurteilen.“
Andreas Jesse, GF von autArK wies in seinem Statement auf folgenden Umstand hin: „Sexualität im institutionellen Kontext findet immer im Spannungsfeld von Betroffenen, Angehörigen und dem Betreuungspersonal statt. Dabei werde man häufig mit unterschiedlichen, oft widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert, die sehr oft auch ein Gefühl der Ohnmacht hinterlassen.“
Erwin Riess betonte in seinen Ausführungen, dass die Debatte in Österreich noch immer relativ am Anfang stehe und es im internationalen Vergleich, z.B. den USA oder Schweden, bereits viel bessere Rahmenbedingungen gebe, die Menschen mit Behinderungen die Ausübung von Sexualität erleichtern.
Besonders strich Herr Riess aber den Umstand hervor, dass Thema nicht zu sehr zu problematisieren. Vielmehr gehe es darum, durch Aufklärung und Sensibilisierung sowie gesetzliche Normen, zur Enttabuisierung und Gleichstellung behinderter Menschen beizutragen.

 

Fazit des Fachdialogs:
Durch Veranstaltungen wie diese findet bereits eine Enttabuisierung statt und es kommt neuer Schwung ins Thema. Ein breite öffentliche Debatte, gezielte Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit sowie eine Institutionalisierung passender Rahmenbedingungen sind dringend nötig, um Betroffenen eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung zu ermöglichen.


Ein Teilnehmender brachte den Fachdialogdiskurs wie folgt auf den Punkt:
„Die Frage ist nicht ob, sondern wie kann ich wenn es den Wunsch gibt, Rahmenbedingungen so gestalten, dass Sexualität möglich ist.“


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